Ein Anfang, warum nicht?

Wovor hat die Autorin Angst? Vor dem weißen Blatt, dem Anfang, dem sie sich immer wieder von Neuem stellen muss. Einem Nichts, das umso schwerer zu bezwingen scheint, je größer der Druck ist, tatsächlich etwas zu schreiben. Etwas zu Papier zu bringen. Selbst wenn dieses Papier nur ein virtuelles weißes Blatt ist. Es ist dadurch nicht weniger echt, eigentlich nur umso mysteriöser.

Dieser Hypertext ist Textur, tausend mögliche Romananfänge. Nie vollendete, nie richtig begonnene Texte, die jederzeit fortgesponnen werden könnten; ein Antidot gegen das weiße Blatt. Tausend erste Sätze. Darum geht es: Keinen Anfang schreiben zu müssen, denn ein Anfang ist immer schon da. In Szenen, Worten, die Ausgangspunkt werden für neues. Werden können.

Der Horror Vacui des weißen Blattes: Das berauschende Nichts, die Leere, in die das erste Wort gesetzt werden muss, das, wenn es denn glückt, die Autorin zur Göttin werden lässt, in ihrer Vorstellung jedenfalls, denn wer sonst setzt gegen das Nichts das Wort? Weißes Rauschen.

 

 

In diesem Hypertext ist nicht unterscheidbar, was Text und was Abfall, was Wort und was Störung ist. Er löst die Linearität des Textes auf, sein Voranschreiten, das Wort nach Wort setzt, und Zeile um Zeile. Der Hypertext verweigert sich der Zeile, dem Anfang, dem Ende. Wie ein Rhizom, unterirdisch, verzweigt, Wiederholung, Wiederholung, wer bemerkt schon, wenn die Texte auswuchern und sich fortschreiben, an diesem Ende abreißen und an jenem Ende fortgeführt werden? Das ist die erste große Metapher, das wichtigste Bild für die Texturen hier: Die Schichtung, die Überlagerung, nicht nur Oberfläche, nicht nur Aufdruck auf dem weißen Papier, sondern Tiefenschichten, die man auch in der Tiefe des Hypertextes aufspüren kann.