Eine Höhle aus Wörtern

Früher träumte ich davon, irgendwann einmal in einer jener riesigen Autorenwohnungen zu leben. Mit Bücherregalen bis unter die Decke, vollgepropft mit Wörtern und Bedeutung und Bücherregalen, die Raum um Raum durchqueren, wie bei Umberto Eco. Dekadenz in Buchform.

 

 

Je älter ich werde, desto mehr schrumpfen meine Wünsche zusammen auf einen Raum. Ein kleiner Raum, ein Raum für mich allein. Ein Raum, der mir gehört, mir ganz allein, und für den ich zahlen kann, ohne viel Geld verdienen zu müssen. Ein Raum, der mich dazu zwingt, mich auf das Nötigste zu beschränken. Den Text und das Ich. Meine eigene kleine Klause. In die nichts weiter passt außer mir und ein Bett und das Schreibgerät, ein paar Bücher.

Ein Ort, an dem es keinen Unterschied macht, ob ich aus dem Bett aufstehe oder liegen bleibe. Umgeben von Bücherstapeln und Kaffeetassen. Eine Klause irgendwo zwischen Meer und Wald. In einer toskanischen Landschaft oder den schottischen Lowlands. Schafe als Nachbarn. Eine Fluchtfantasie, natürlich. Die Welt aussperren und die anderen auch. Eingepfercht in eine Höhle aus Wörtern, als alte Jungfer, allein, aber nicht einsam.