Die Leerstelle

Ich wechsle meine Bettwäsche fast zwanghaft. Manchmal lachen mich meine Freunde dafür aus. Ich wasche sie jede Woche zweimal, mindestens; ich bügle sie. Wer bügelt Bettwäsche? Jetzt falle ich ins Bett. Weichspülerdurft steigt in meine Nase. Ich weiß, ich sollte ihn nicht benutzen, er ist gar nicht notwendig, aber ich brauche ihn. Ich brauche den Duft, der an meinem Kissen hängt. Die Bettwäsche ist frisch gebügelt. Beinahe empfinde ich Scheu, mich auf das Kissen sinken zu lassen. Der Duft umfängt mich, und mit ihm das sanfte Rascheln der noch knitterfreien Bettwäsche. Ich stelle die Tasse mit heißer Schokolade auf dem Bücherstapel neben meinem Bett ab. Es ist das Signal für die Katze, auf mein Bett zu springen. Der alte Kater will es sich auf meiner Brust gemütlich machen, aber ich schubse ihn weg, weil er sich zwischen mich und mein Buch drängt.

 

 

Als J noch da war, legte sich die Katze auf ihn. Der Kater bevorzugt Männer, immer schon. Js wunderschöne Hände gruben sich in das dicke Fell des Katers. Der Kater schnurrte und ich ertappte mich dabei, wie ich eifersüchtig wurde auf das Tier. Ich streichle das weiche Fell des Katers und hoffe, Js Handabdrücke darin zu finden. Obwohl das Bett leer ist, bleibt seine Seite frei. Es ist, als wäre da eine magische Grenze und sein Platz bleibt unbesetzt. Nun legt sich der Kater dorthin, wo sich sonst Js Schulterblätter auf einen Berg von Kopfkissen eingruben. An keinem Ort ist er präsenter als an jener Leerstelle in meinem Bett. Unwillkürlich schnuppere ich an dem Kopfkissen, als könne es noch seinen Geruch tragen, nach all den Wäschen, nach all den Wochen.

 

Ich blicke von meinem Buch auf. Die Katze streckt sich und wirft mir einen Blick zu. Für einen kleinen Moment hat der Kater Hoffnung, dass ich aufstehe und ihn füttern werde. Dann aber versteht er, dass ich nur nachdenke. Ich starre auf die Häuserzeile gegenüber, hinter deren Fenstern sich ab und zu Menschen bewegen. Ich liege manchmal stundenlang so da. Die meisten Menschen können die Stille nicht aushalten. Ich kann die meisten Menschen nicht aushalten. Besonders nicht die Stimme meiner Mutter, die zu laut ist, zu schrill und in den Ohren schmerzt. Ich kann nicht mehr mit ihr reden, schon gar nicht kann ich ihr Lachen ertragen. Irgendwann werde ich eine Art hysterischen Schmerz entwickeln, da bin ich sicher. Das Schrillen in meinen Ohren wird mich so fertigmachen, dass ich nicht mehr werde reden können. Manchmal ist schon das leise Klackern der Tastatur zu viel Geräusch.