Ich träume

 

Ich stehe in meiner Küche. Meine Waschmaschine muss repariert werden. Navid Kermani hilft mir. Navid Kermani? Ich bin mir nicht sicher, warum mein Unterbewusstsein ihm Zutritt zu diesem Traum verschafft hat.

 

Das wird ein schwieriges Unterfangen, sagt Kermani. Das wird sich nicht leicht reparieren lassen. Aber da scheint noch mehr zu sein. Er ist ganz besorgt; seine Sorge lässt mich unruhig werden. Etwas macht ihm Angst. Dann geht er zum Küchenschrank und positioniert ein Messer so, dass es dem Öffnenden beim Öffnen entgegenfallen muss.

 

textur marlen hobrack

 

Die Waschmaschine. Am Abend zuvor hatte ich vergessen, die Waschmaschine zu leeren.
Am Abend zuvor hatte ich mich auch mit ihm gestritten, natürlich nicht mit Kermani. Er, der Nicht-Kermani, hatte gesagt, dass er niemals mehr mit mir reden würde. Niemals. Das war ein starkes Wort, und schon deshalb kaufte ich es ihm nicht ab. Dann aber die Sorge: Vielleicht meint er es doch ernst? Dann eine Nachricht: Es tue ihm wirklich leid, aber reden könne er nicht mehr mit mir. Immerhin, dachte ich, immerhin muss er mit mir kommunizieren, um mir die Kommunikation mit ihm zu verweigern. Ich gewöhne mich an den Gedanken, nie, nie wieder mit ihm zu reden. Zwei Tage vergehen. Dann beschließe ich aufzuschreiben, was ich ihm sagen würde, wenn ich könnte.

 

Nothing worse than waiting for a message you’ll never receive

Nothing more wonderful than receiving a message you weren’t expecting

 

Da brummt das Smartphone. Hoffnung blitzt auf. Aber ich versuche, ganz cool zu bleiben. Er kann es ja nicht sein. Er will ja nicht mehr mit mir reden. Vorsichtshalber schaue ich aber doch auf das Smartphone. Eine Nachricht von ihm. Er könne nicht so hart mit mir sein. Vielleicht könnten wir doch Freunde sein, aber weniger oft miteinander reden?

 

Natürlich, tippe ich. Dann wünsche ich ihm eine gute Nacht.

 

Ich denke zurück an den Traum. An die Waschmaschine, den besorgten Kermani. Nun ist doch alles repariert, nicht wahr? Und bereinigt. Nur liegt da immer noch das Messer im Küchenschrank. Wartet nur darauf, dass jemand den Schrank öffnet.