Frühlingserwachen

Heute Morgen wachte ich auf, und ich war zum ersten Mal seit langem nicht liebesbekümmert. Merkwürdig, nicht etwa die Zeit hatte alle Wunden geheilt. Im Gegenteil. Es hatte ein großes Gewitter gebraucht, den großen Absturz, böse Worte (oh, wie böse Worte sein können, und wie hart sie treffen können).

 

Andererseits: Vor dem faustischen Erwachen kam auch bei Goethe der Absturz. Ganz unten angekommen bleibt nichts übrig, als sich aufzuraffen.

 

Dann: Frühlingserwachen, obwohl es draußen eiskalt war und Schneeberge unter den Laternen leuchteten. Ich wachte auf, und ich fühlte zum ersten Mal seit Monaten nicht mehr diese Schwere. Alles war ganz leicht. Ich lag im Bett, und ganz plötzlich war da dieser Impuls: aufstehen. Wie weggewischt die bleierne Schwere, die mich in den letzten Wochen im Bett ans Bett gefesselt hatte.

 

Ich stand auf, ich wusch sogar das Geschirr noch vor dem Frühstück ab, zugegeben aber nur, weil es keine Tassen mehr gab.