Goetz, die Menschmaschine

Eine Schreibmaschine möchte ich sein, oder eine Software. Algorithmenbasierte Kompilatorin von Wörtern. Ob wohl ich das -in dann aufgeben müsste. Algorithmen sind männlich, nur grammatikalisch verweiblicht. Das weiß doch jeder. Geschlechtliche Bias, würde ich meinen. Meine Gender-ID an der Uni lautet „2“, ich nehme an, man hat das mit „Le Deuxième Sexe“ zu wörtlich genommen. Frauen gehen nicht in der 01 Logik auf, sondern sind wie immer und immer wieder nur die 2. Nun konnte man die Frau ja nicht als 0 setzen, das wäre sexistisch, aber Numero 1 ist und bleibt der Mann. 2 aber ist blöd. Ein Zustand kann nur an oder aus sein, Strom fließt oder er fließt nicht, die Lampe ist an oder aus. Meine Lampe brennt nun nicht, ich muss mein Licht aber auch nicht unter den Scheffel stellen. Scheffel? Was ist das eigentlich für ein Wort? Oder ist die binäre Logik ganz falsch und der Quantencomputer wird sie löschen?

 

 

Computer, auch das meinte zu Beginn des Algorithmenzeitalters (es werde Licht!, drück doch mal einer die 1) die Frauen, die rechneten. Rechnerinnen eben. Ich möchte heute so gerne ein Computer sein. An aus an aus. Bitte ein Bit, ab heute bin ich Ihre 0 . Mancher Mann träumt vielleicht von so einer Frau, einer computerisierten, einer echten Menschmaschine, die man, wenn sie ihre Arbeit getan hat, ausschalten und in die Ecke stellen kann, neben Bügelbrett und Wäscheständer.

 

 

textur frau

Maschinenträume, werden die Roboter träumen, wenn man ihnen erst einmal ein Bewusstsein verabreicht hat? Wird man ihnen ein Unterbewusstsein programmieren, oder ist das der natürliche Nebeneffekt der Bewusstseinsentstehung? Das muss man weiterdenken: Wenn die Maschinen ein Unterbewusstsein bekommen, wird man ihnen – auf Rezept! – eine Psychotherapie spendieren? Und wer wird ihnen in der Über-Ich-Funktion Moral und Gebote einflüstern? Am besten, man lässt das mit der Moral ganz bleiben, das verkompliziert die Sache mit den Maschinen nur unnötig.

 

 

Ich möchte so gerne wissen, in welchen Clouds und Knotenpunkten ich hinterlegt wurde. Haben Sie sich schon ein paar Texte von mir heruntergeladen, Bilder vielleicht? Erinnerung funktioniert ja so: Die Datenverkehrsbahnen zwischen Neuronen werden dicker und dicker, weil sie stärker befahren werden. Oder besser: elektro-chemisch öfter erregt werden. Sie aber müssen mich in Bits und Bytes speichern. Je öfter Sie mich downloaden, je mehr von meinen Informationen in Form von Nullen und Einsen auf Ihrem Rechner und in Ihrer Cloud hinterlegt werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ich erhalten bleibe. Das spaltet mir glatt die Synapsen!

 

 

Seien Sie also doch bitte mein synaptisches Netzwerk. Meine Festplatte. THE MEDIUM IS THE MESSAGE. Wie wäre es, wenn ich heute mal Ihr Medium wäre? Ich würde mich so gerne als Message in Ihren Gedanken verewigen. Ich müsste Ihnen nur noch die Stirn aufschneiden, und schön flösse Ihnen meine Botschaft aus dem Kopf. Ich möchte heut mal ein bisschen Rainald Goetz sein, ein bisschen rasend und mit Rasierklingen bewaffnet. Bitte geben Sie mir nie eine Rasierklinge in die Hand!