Schreibblockade

Wie löst man Schreibblockaden? Man läuft und läuft, weil beim Laufen das Denken unmöglich stillstehen kann. Also laufe ich hinaus in die Altstadt. Vom Theaterplatz zum Neumarkt, von der Ausstellung "Lampedusa 361" bis zur Installation MONUMENT. Überall andächtige Stille, keine Pöbler, viele traurige Gesichter. Der Pöbel schreit wohl nur, wenn Kameras in der Nähe sind. Danach ab ins Albertinum, die Ausstellung "Benjamin Katz fotografiert Gerhard Richter" angeschaut, und mit der Erkenntnis herausgekommen, dass alle sächsischen Männer irgendwie wie Richter aussehen oder Richter irgendwie wie alle Männer, keine Ahnung, jedenfalls sieht der Künstler auf jedem Bild anders aus, mal forsch, mal unsicher, mal Maler-Heros, mal alter Herr mit Brille. Im menschenleeren Albertinum gemerkt, dass ich die Romantiker nicht mehr ertragen kann, die Symbolisten schon gar nicht (noch nie eigentlich), dass selbst Dix und Kokoschka unerträglich geworden sind, und ich könnte nicht einmal sagen, warum das so ist. Rettete mich dann in die Antikensammlung und bestaunte die endlose Variation der immergleichen Grundform der Amphore und war wie berauscht von der Wiederholung, Wiederholung. Schließlich hätte ich im Museumsshop beinahe ein Best-of der Twittersprüche von Trump gekauft, die in Buchform wunderbare Dada-Poesie sind, habe mich dann aber doch für die Žižek-Lektüre entschieden. Was ist ein Ereignis?, fragt er. Die Antwort erscheint ja so einfach: Etwas, über das es sich zu schreiben lohnt. Etwas, über das es sich nachzudenken lohnt. Das Ereignis ist Denken schlechthin. Nun habe ich ein bisschen geschrieben.