Phantomschmerzen

Ich soll etwas Witziges schreiben und fühle mich doch wie der unglücklichste Mensch überhaupt. Da ist natürlich übertrieben, ganz sicher gibt es traurigere Menschen als mich, zum Beispiel  solche ohne Behausung. Immerhin habe ich eine Behausung, eine gemütliche sogar. Eigentlich fehlt mir ja nichts.Und doch fehlt mir alles.

 

Eigentlich ist es nur ein Einziges, das mir fehlt, aber das Einzige ist alles, was zählt, und nun fühlt es sich an wie ein Phantomschmerz, der natürlich schon deswegen nicht vergehen kann, weil das, was so schmerzt, schon verloren ist. Es müsste also der Verlust verloren gehen. Also fühle ich mich ein bisschen gehäutet, sehr sogar, nackt bis auf die Knochen und roh. Heute umarmte mich D und es fühlte sich an, als würde seine Haut, für Sekunden nur, zu meiner zweiten Haut, oder zur ersten, nachdem die andere ja verloren ging. Ich wollte nicht, dass er von mir abließ, aber das konnte ich ihm nicht sagen. So vertraut sind wir nicht miteinander, es bleibt immer ein Rest Distanz, eine Schwelle, die wir nicht übertreten. Also kann ich ihn nicht um eine Umarmung bitten, nicht um eine weitere oder überhaupt um eine. Zum Glück ist er manchmal so einsam wie ich; dann bedecken wir uns gegenseitig mit neuen Häuten, für ein paar Stunden nur, und füllen unsere Phantome mit Worten.