Ich//Selbst//Sein

Immer wieder die Forderung, dass ich mit mir selbst identisch sein soll, dass ich immer und überall dieselbe sein soll. Dass Tonfall und Stimme konstant denselben Output erzeugen sollen, ohne Störgeräusche.

„Sie klingen in dem Text gar nicht wie sie selbst“, sagte mir der Redakteur, und ich verzweifelte ein bisschen über die Frage, wie ich denn klinge.

„Schreib doch etwas Lustiges“, sagt H und ich frage mich, warum ich nicht schreiben soll, was ich schreiben will, in dem Ton, der mir dabei zufällt.

Ein Facebook-Freund teilt mir mit, ich sei nicht mehr die, die ich einmal war, womit er meint, dass ich Meinungen vertrete, die er mir nicht zugetraut hat, und über die er nun erzürnt ist. Dabei kennt er mich gar nicht. Ich selbst kenne mich jedenfalls gut genug, um zu wissen, dass das Ich, das er zu kennen glaubte, nie existierte.