Botenstoffe

Eine körperliche Kluft kann überwunden werden, nicht aber eine sprachliche. Oder ist das Normale der Sprache die Kluft? Und die Unüberbrückbarkeit der Leerstelle in dem, was ich sagen möchte, und dem, was der andere versteht, die notwendige Bedingung für Verständigung? Wie wäre es, wenn man dem anderen die eigenen Worte einschreiben könnte, wenn sich die Worte in Ausdrucksgebärden zurückführen ließen? Wenn sie zu Zeichen würden auf der Haut des anderen, und lesbar würden, durch das Abtasten mit den Fingern?

 

Wir haben uns  daran gewöhnt, mit Fingerkuppen Zeichen auf berührungsempfindliche Oberflächen zu tippen. Zu schreiben, ohne einzuschreiben. Unsere Fragmente einer Sprache der Liebe: Eingespeist in einen Hypertext. Wenn man Sprache einfach absorbieren könnte. Wenn sie einfach in den Körper diffundierte. Man müsste nur nebeneinander liegen. Zwei Körper, die sich zu einander verhalten wie Synapse zu Synapse, die mühelos den Spalt überbrücken. Und die Worte wandern umher wie Botenstoffe.