Die Unbegabten, oder: Pop Art meets Barock

Die Helden der Pop Art von Roy Lichtenstein über Andy Warhol zu Jeff Koons in einer Ausstellung einer privaten Galerie? Und das auch noch in der gediegenen Nachbarschaft des Dresdner Barockviertels - geht das? Wie gut das geht, zeigt sich in der Galerie Holger John mit ihrer Ausstellung „Die Unbegabten“. Sie bietet einen heiteren Blick auf das heilige Triumvirat aus Kunst, Kommerz und Kitsch und, das darf man vorausschicken, sie ist ungemein unterhaltsam.

In jedem Fall glückte dem Galeristen Holger John mit seiner Ausstellung ein echter Coup. Viele der gezeigten Kunstwerke seien in Dresden noch nie zu sehen gewesen, überhaupt sei die Ausstellung für Dresden einzigartig. Ein Galerist muss das natürlich sagen. Was die Namen anbelangt, handelt es sich ja tatsächlich um ein Who is Who der Pop Art. Wie kommt all die Kunst in die Galerie? „Aktives, aggressives Netzwerken“ sei der Schlüssel, so John, der übrigens sehr viel lacht in unserem kurzen Gespräch. Es ist nicht das erste Mal, dass dem Galeristen solch ein Coup gelingt. Auch mit der Ausstellung „Schnee von Gestern“ bewies John Sinn für die Themen, die ankommen. In diesem Falle das Thema DDR-Kunst und ihre Repräsentation im Kunstbetrieb. So erfolgreich lief die Ausstellung, dass sie verlängert werden musste. Auch „Die Unbegabten“ haben das Zeug zum Publikumshit.

John hat offensichtlich Freude an dieser Ausstellung. Wem das breite Lächeln in seinem Gesicht diesen Umstand nicht verrät, erhält die Bestätigung noch einmal in verbaler Form. Auch die Besucher werden sich ein Grinsen nicht verkneifen können, wenn sie Arbeiten wie „Auch Helden haben schlechte Tage“ von Marcus Wittmers betrachten: Es ist Superman, der, mit dem Kopf voran, auf das Kopfsteinpflaster vor der Galerie kracht. Der kopflose Held, auch das ist ja ein politisches Statement.

Die Ausstellung widmet sich darüber hinaus mit viel Sinn für Humor der Frage, wo Kunst zu verorten ist: Auf der Seite des Könnens oder der des Kommerzes. Gibt es da überhaupt ein Entweder-Oder? Der Titel greift das beliebte Vorurteil gegen Pop Art auf, ihre Künstler seien allenfalls Vermarktungsgenies, aber keine Könner. „Das kann ich auch“, raunt so mancher Betrachter gerne. Aber es ist eben auch eine Leistung, „aus einem Unvermögen ein Vermögen zu machen“. Jonathan Meeses grob-expressive Ölkreidezeichnung auf Papier (Nietzsche 11), kindlich naiv mit Attitude, oder Claes Oldenburgs „Nose and handkerchief“ drehen dem Betrachter wie auch dem Kunstmarkt natürlich eine lange Nase. Es gibt ja keinen objektiven Wert eines Kunstwerkes, der sich allein an Material und Können bemessen ließe. Man kann Überhitzungen des Kunstmarktes und Millionenbeträge für Kristallschädel kritisieren – aber wenn Sammler doch bereit sind, sie zu zahlen? 

Solch ein Bild verträgt sich aber nicht mit unserem Ideal des Künstlers, der l’art pour l’art und nicht Kunst des Geldes wegen betreibt. „Angeblich verdirbt Geld den Kunstcharakter“, sagt John, man sehe eben gerne den darbenden Künstler, der nur für die Kunst und ansonsten von der Hand in den Mund lebt. Es gibt ja keine schlimmere Beleidigung auf dem Kunstmarkt als das Prädikat „Auftragskünstler“. John lacht auch darüber.

„Wir feiern den Kapitalismus“, sagt er. Der lächelnde Galerist steht dabei neben einem lächelnden Mao aus französischem Porzellan. Mao begegnet dem Besucher noch einmal in der Variante eines Warhol-Drucks. Mao übrigens richtet den Blick weise blickend auf eine amerikanische Flagge.

Es ist übrigens nicht so, als wäre diese Kunst unpolitisch, sie scheint die Politik lediglich nicht todernst zu nehmen: Donald Trump ist als chinesische Neujahrsrakete zu sehen, der amerikanische Präsident und der große Knall – das freilich ein Thema für sich.

 

Wer all das persönlich in Augenschein nehmen will, sichert sich am besten eines der VIP-Tickets. Nicht, dass man ohne nicht in die Ausstellung käme. Man darf sich damit nur ganz besonders fühlen. „Eine große Spielerei“, kommentiert John. Und eine Frage des Marketings.