Voll verzettelt

Marlen Hobrack

Als hoffnungsloses Notizzettelopfer bin ich wirklich furchtbar froh, um nicht zu sagen: erleichtert, dass endlich einmal jemand über den Notizzettel theoretisiert. Das tut Hektor Haarkötter in seinem Buch und stellt gleich noch eine These auf, die ein unverrückbares Diktum (ich sage: unverrrrückbar) in Frage stellt: Haarkötter behauptet nämlich, dass der Notizzettel nicht kommunizieren will, dass er ein Kommunikant ohne Kommunikat ist (take this, Watzlawick). Und überhaupt schreiben wir nur deswegen auf, um vergessen zu können, so Haarkötter. Nun ist dieses Buch wirklich unterhaltsam geschrieben, erzählt Anekdoten von großen Verzettelern wie Lionardo (sic) da Vinci oder Ludwig Wittgenstein und schiebt Theorieblöcke gesondert ein. Auch die lesen sich - jedenfalls aus der voreingenommenen Perspektive der Medienwissenschaftlerin - sehr kurzweilig.

 

Eine Schwäche hat der Text, nämlich seine beinahe manische Redundanz. So peitscht Haarkötter seinen Leserinnen seine Thesen, wonach man aufschreibt, um zu vergessen, wonach nur der schreibt, der Probleme hat, und wonach eben der Notizzettel ein unkommunikatives Medium ist, permanent um die Ohren. Natürlich ist das kein Zu- oder Unfall, natürlich ist das Absicht, aber eben eine ermüdende. Haarkötter, der im Rahmen des Ausflugs in die Graffitikultur auch die Mittel des Raps analysiert, mag hiermit die Methode des Samplings aufgreifen – monoton wie das Original ist sie allemal.


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