Wie ich wurde, was ich bin

Als Teenager stellte ich den Schulbesuch ein und las stattdessen Nietzsche. Das ist kein guter literarischer Umgang für eine Vierzehnjährige. Die Sache wurde etwas besser, als ich Thomas Mann verfiel, literarisch, weil kunstvolle Wortkaskaden über nihilistische Schwermut hinweghelfen. Aber dann verliebte ich mich in Kafka, und keine Liebe zu Kafka kann glücklich enden.

Ansonsten verschwendete ich meine Jugend in billigen Punk-Kaschemmen. In Ledermini, Netzstrümpfen und kaputten Springerstiefeln. Nicht jeder kann cool sein. „Kind“, sagten besorgte Verwandte, „aus dir wird nie etwas werden!“ Das bestätigte sich, als ich mich nach dem Studium als Unternehmensberaterin verdingen musste. So kann es gehen im Leben. Allgemeine Tendenz trotzdem: Es geht bergauf.

Zynismus übrigens ist meine bevorzugte Art, mit den Zumutungen dieser Welt umzugehen. Manchmal bin ich wütend. Ich bin nicht reich und auch nicht schön (kann ja noch werden). Wenn ich groß bin, wäre ich gerne Hunter S. Thompson. Oder Courtney Love. Ich überlege noch.